13.04.2014

"VIRGIN MONEY London Marathon 2014"

So, dann will ich mal versuchen das Marathon-Wochenende in Worte zu fassen. Gar nicht so einfach. Riesengroß war ja die Freude als ich vom TEAM ERDINGER ALKOHOLFREI die e-mail bekam, dass ich das Komplettpaket zum Marathon gewonnen habe. Flug, Unterkunft, Startplatz, Teamausstattung usw. Als es darum ging eine Begleitung dazu zu buchen, war meine Tochter natürlich sofort dabei. So musste ich schonmal nicht alleine reisen. Da ich Donnerstag schon meinen freien Tag hatte, ging es am Freitag völlig entspannt auf die Reise. Mit BRITISH AIRWAYS flogen wir gegen Mittag von Düsseldorf nach London Heathrow. Da wir die Travelcard schon online gebucht hatten, mussten wir diese nicht mehr vor Ort kaufen und so ging es dann mit der London Underground, von den Londonern nur "Tube" genannt, in knappen 45 Minuten zur Victoria Station. Dort ausgestiegen hatten wir nur noch 200m Fußweg und erreichten unser Hotel, das The Grosvenor Hotel. Auf der Homepage schon erkundet, wurden unsere Erwartungen nicht nur erfüllt, nein, absolut übertroffen. Das ist schon ein "toller Schuppen". Nach dem Auspacken machten wir uns aber auch schon wieder auf den Weg, um auf der Marathonmesse die Startunterlagen abzuholen und ein bisschen zu bummeln. Also wieder ab in die U-Bahn, und nach 30 Min. waren wir auch schon wieder am Ziel. Auf der Messe war alles top organisiert. Bei der Startunterlagenausgabe gab es für ausländische Teilnehmer Extra-Schalter und zur Überraschung sogar eine deutsche Helferin. Ohne Wartezeit erhielten wir die Unterlagen und noch ein paar Hinweise und so konnten wir noch über die Messe schlendern, um noch das eine oder andere zu kaufen (Riegel, Gels, Souvenirs). Wieder am Hotel angekommen noch eine Kleinigkeit gegessen und zum einschlafen noch'n CARLING getrunken. Samstag morgen dann ausgeruht zum Frühstück. Das english breakfast ist schon gewöhnungsbedürftig, aber nicht sooooo schlimm: Ham and eggs, Hash Browns, baked Beans usw. Gut gestärkt hatten wir dann den Samstag zum bummeln und shoppen vor uns. Da meine Tochter schon zweimal in London war und mit guten Tipps einer lieben Freundin, die eine Zeit in London gelebt hat, waren wir bestens vorbereitet. Als erstes fuhren wir (wie das ganze Wochenende über) wieder mit der Tube nach CAMDEN TOWN zum CAMDEN MARKET. Neben dem Rummel auf der Einkaufsstrasse findet hier auch ein "Kunstmarkt" statt. Ganz grosse Klasse, sollte man unbedingt besuchen wenn man mal in London ist. Von dort aus fuhren wir dann zur OXFORD STREET. Einfach der Wahnsinn was da los ist. Einkaufsmeile mit riesigen Kaufhäusern, viel Verkehr (Taxi + Bus) und noch mehr Menschen. Mit einer 17jährigen "Shopping Queen" an seiner Seite kann das schon sehr "unterhaltsam" sein. Zwar nicht die optimale Marathonvorbereitung, aber wenn man schonmal hier ist. Am späten Nachmittag nochmal einen kleinen Abstecher zum LONDON EYE und zum BUCKINGHAM PALACE. Dort war auch schon das Ziel aufgebaut und so erkundeten wir schonmal den gesamten Ziel- und Nachzielbereich. Im Supermarkt mit SB-Kasse (selber einscannen und bezahlen) noch 2 CARLING gekauft, zum einschlafen. Sonntag morgen gab es dann im Hotel für die Marathonläufer schon ab 5.30 Uhr Frühstück. Schnell zwei Brötchen und 'n Kaffee reingedrückt und um Punkt 7.00 Uhr (auf Langschläfer wurde nicht gewartet) fuhr uns dann der Bus zum Startgelände in GREENWICH. Nach einer Stunde Fahrt erreichten wir das riesengroße Startgelände. Also noch 2 Stunden Zeit. Zum Glück schien schon die Sonne und so konnte ich mich dann auf der Wiese breit machen und warten. Plötzlich eine Schrecksekunde: im sitzen (!!!) bekam ich einen Krampf in der linken Wade. Ich dachte nur noch: "Das war's!!!" Eine ganze Weile gedehnt und massiert und dann war auch schon wieder alles okay. Sehr diszipliniert waren hier die Engländer bei den Dixi's bzw. Urinalen. In Zweierreihen stand man hier völlig geduldig an und wurde dann von einem Ordner zum nächsten freien Örtchen hingewiesen. Eine halbe Stunde vor dem Start war die Schlange "nur" 400 Meter lang, aber ich habe es noch pünktlich geschafft. Um Punkt 10 Uhr fiel bei Sonnenschein und 10°C der Startschuss und obwohl ich im Startblock 6 war, lief ich schon 8 Minuten später über die Startlinie. Von jetzt an hieß es nur noch: "PARTY !!!" Ab dem ersten Kilometer standen die Zuschauer an der Strecke und bis zum Ziel sollte es auch so bleiben. Hat man selbst in Berlin noch die Möglichkeit mal zwischendurch "in die Büsche" zu gehen, so hat man hier keine Chance. Es gibt nich eine freie Stelle an der Seite. Da muss man schon die Dixi's an den Verpflegungsstellen nutzen, nur dort standen die Läufer Schlange. Nix für Bestzeitenjäger also. An den Verpflegungsstellen gab es die Getränke nicht in Bechern, sondern es wurden einem 250ml Flaschen angereicht. Das war echt praktisch, so konnte man die Pulle noch eine Weile mitnehmen. Nicht so toll war allerdings, dass nicht Becher, sondern die ganzen Flaschen auf der Strecke lagen, was zu Stürzen oder zum umknicken führen konnte. Da ja von Anfang an klar war, dass dieser Marathon nur ein Genusslauf werden sollte und ich durch die Wadenverletzung in den wichtigsten Trainingswochen für einen Marathon nur knappe 50km gelaufen bin, hatte ich als Zeitziel so 4:30 - 5:00 Stunden im Sinn. Also hieß es: "bremsen, 6:00/km-Tempo reicht, wer weiß was noch kommt". Aber das Publikum riss einen einfach nur mit. Man lief einfach und lief und lief. Bei km 20 dann der erste grosse Gänsehautmoment: Das Feld lief direkt auf die TOWER BRIDGE zu, und dann auch über die Brücke. Einfach toll!!! Die Halbmarathonmarke passierte ich bei 2:03, also schneller als gewollt. Die ersten Läufer(innen) hatten hier aber schon die ersten kleineren (und auch grösseren) Probleme. Da die Engländer den Marathonstartplatz dadurch erhalten, dass sie für eine wohltätige Gemeinschaft spenden, spielt hier für die meisten die Leistung, im Sinne von guten Zeiten, keine so große Rolle. So laufen die allermeisten dann auch in Shirts der Organisationen für die sie gespendet haben (Krebshilfe, Alzheimer-Stiftung, Krankenhäuser usw.). Viele hatten auch Foto's von verstorbenen Verwandten auf ihren Shirts und liefen in Gedenken für sie. Da die meisten vorne ihren Namen aufgedruckt hatten wurden sie auch namentlich angefeuert. Bei mir blieb den Engländern nur die Wahl zwischen einem "go, Team Ööööördinger" und einem (durch den Totti-Aufdruck auf meiner Hose) langgezogenen "run, Tooooooooodyyyyyyy, run". War schon sehr witzig. Na ja, die Zeit verging wie im Flug, ich hatte zu keiner Zeit irgendwelche Probleme und es lief einfach. Wer aber dachte die Stimmung könnte nicht mehr besser werden, der wurde aber dann auf den letzten Kilometern eines besseren belehrt. Hier war einfach nur noch die Hölle los. WESTMINSTER schon im Blick ging es auf die letzten Meilen, einmal rechts ab und dann ging's auf THE MALL auf's VICTORIA MEMORIAL zu. Einfach Waaaaaahnsinn was hier los war. Noch die letzte Kurve und dort sah man schon das Ziel. Es war nicht mein erster und auch nicht mein schnellster Marathon, aber im Ziel wurde ich völlig von Emotionen überwältigt und konnte ein paar Tränen nicht zurückhalten. Das war einfach nur HAMMER - FETT - BOMBE - KRASS !!!! Im Nachzielbereich wurde einem von den Helfern der Time-Chip abgeknippst, der Goodiebeutel überreicht (mit Getränken, Wärmefolie, Apfel und Finisher-Shirt) und auch die Rückgabe der Kleiderbeutel war blitzschnell erledigt. Nur 10 Minuten nach meinem Zieleinlauf traf ich auch schon meine Tochter am Tags zuvor ausgemachten Treffpunkt und so schlenderten wir zu unserem Hotel, welches ja nur 1km entfernt war. Auf dem Zimmer genoss ich erstmal die RUHE!!! Nach einer Dusche und einem LONDON PRIDE Heldenbier zogen wir aber auch schon wieder los. Erstmal stärken und stilecht und typisch FISH & CHIPS essen. Nach einer letzten Nacht in unserem Luxusbett liessen wir uns dann noch einmal das Frühstück "schmecken" und da unser Rückflug erst um 17.30 Uhr ging, hatten wir nochmal genügend Zeit um uns in der Metropole die Füße zu vertreten: REGENT STREET, CARNABY STREET und PICADILLY CIRCUS noch abgeklappert und ein letztes Mal mit der Tube zurück zum Airport. GOOD BYE LONDON !!!

Das war ein SUPER WOCHENENDE mit einem SUPER MARATHON !!! Das absolute Highlight meiner Läuferkarriere !!! Wer weiß, vielleicht irgendwann nochmal ???

Und jetzt noch ein paar Zahlen:

Zeit: 4:07:11 (nie war mir eine Zeit so egal wie dieses mal)

Platz (Gesamt): 13364.  (von 35767 Finishern)

Platz (Männer): 10270.  (von 22537)

Platz (AK): 1455. (von 2924)

und noch ein Spezialservice der Zeitmessfirma: auf den letzten 7,2km haben mich 14 Teilnehmer überholt, ich dagegen habe noch 1544 "einkassiert"

Ein paar Bilder gibt's hier (unsortiert)